Von Beach und Bloom ¶

16.06. 16 Uhr 06: Literaturfreunde wie wir feiern heute wieder Bloomsday, zu Ehren der Ulysses-Schlüsselfigur Leopold Bloom. Doch hinter ihm stand zuvörderst eine Buchhändlerin — Beach. Eine Würdigung:

 

Sylvia_Beach (14.3.1887 in Baltimore, Maryland – 5.10.1962 in Paris).


„Sie war wie eine Biene, die für die Bestäubung zwischen den Schriftstellern sorgte.“

— André Chamson, Schriftsteller,
über Sylvia Beach


Der Jahrhundertroman „Ulysses“ von James Joyce wäre ohne das progressive Gespür von Nancy Woodbridge Beach nicht zu jener Zeit veröffentlicht worden, schon gar nicht in Europa. Bekannt als Sylvia Beach wurde sie zusammen mit ihrer Lebensgefährtin Adrienne Monnier, ebenso Buchhändler und Verlegerin, eine zentrale Gestalt der Pariser Literaturszene in den 1920er Jahren, zwischen den Kriegen. Die Buchhandlung „La Maison des Amis des Livres“ von Monnier, sowie die Leihbücherei „Shakespeare and Company“ von Beach befanden sich gegenüberliegend an der ‚Rue de l’Odéon‘; sie entwickelten sich rasch zu einem Treffpunkt der vor allem amerikanischen Autorenschaft und der kunstschaffenden Szene Frankreichs. Sie selbst bezeichneten diesen intellektuellen Zirkel um sie herum gerne scherzhaft als „Odéonia“.

Zusammen standen sie in Freundschaft mit der französischen Avantgarde wie Paul Valéry, André Breton, Jean Cocteau, colette, Leon-Paul Fargue, André Gide, Valéry Larbaud, sowie mit Größen wie D.H.Lawrence, Ernest Hemingway, e.e.cummings, Thornton Wilder, F. Scott & Zelda Fitzgerald, Aleister Crowley, Man Ray, auch Gertrude Stein, Djuna Barnes  … — und James Joyce, welcher auf der Suche nach einem Verlag in englischsprachigen Ländern, der sein Werk herausgeben sollte, scheiterte. Bereits 1918 erhielt er beim Virginia Woolf ‚Hogarth Press‘-Verlag eine Absage auf das fertige Manuskript „aufgrund des obszön anmutenden Inhalts“.

Nach Jahren des Misserfolgs – seiner persönlichen Odyssee, sozusagen – stieß James Joyce dann in Paris auf Sylvia Beach, die in „Ulysses“ vielseitiges Potential sah. Als sie sich 1922 für Leopold Bloom entschied und somit dies umfangreiche Werk voller Witz und Anzüglichkeiten als Editorin herausbrachte, wurde Sie zur Koryphäe in optima forma. Zwar, wie man hörte, ’selbstlos, völlig unerfahren und mit geringen Geldmitteln ausgestattet‘, doch mit dem intellektuellen Wegweisen eines trotzenden Kindes und dem wahren Heldenmut eines Erst-Verlegers. Chapeau!

¶In diesem Sinne

feiern wir doch nach Bloomsday
auch gleich die Beachnight:

Auszug aus der Dokumentation „Paris Was A Woman“
von Greta Shiller über Gertrude Stein.

4 Antworten auf “Von Beach und Bloom ¶”

  1. Herzlichen Dank für den Link, durch den ich auf diesen wunderbaren Artikel gestoßen bin. Ja, Frau Beach ist eine wahre Heldin der Literatur, sehr schön die Charakterisierung als „trotzendes“ Kind, eine staunende, für Wunder offene Frau, die einfach ihren Weg ging.
    Liebe Grüße Birgit

#Leserbriefchen schreiben

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s