#Mitternachgedacht an Chäsfongdü [Käsefondue]

direkt auf dem traditionsgemäß runden tisch blubbert auf dem rechaud über offener flamme die geheime fromage-mélange, weissweinverdünnt & knobl auch gepeppert; rundum eine garnitur cornichons, champignons, gemischte pickels, kölblein aus mais & zwiebelchen aus silber, doch erst im caquelon aus keramik werden die regionalen käsesorten zum eigentlichen „Fondue“, zum „Geschmolzenen“. sogleich werden gebröckelte brotstücke mit kruste gereicht, welche man behutsam aufs einzige besteck, eine langgabel steckt, kurz ins obstbrandglas tunkt, dann rührend in den zerlassenen, heissen käse taucht… dies alpine nationalgericht wird nicht selten zu einem abend-füllenden genuss, auf den so mancher wanst ein loblied jodelt auf das immaterielle kulturerbe als leibspeise…

…so, wie ich hier gerade.

#Mitternachgedacht übers O wie mikron

die einem ring gleichende, sich schliessende, ebene kurve, die zwar einen kreis bildet, doch keine null ist, sondern ein buchstabe mit migrationshintergrund: bereits die alten ägypter kannten das ‚auge‘ als hierøglyphe, woraus das 3500 jahre alte sinaitische schriftzeichen ⊙ entstand, welches erst die hebräer ‚aעin‘, dann die phœnizier ‚aJin‘, später die araber ‚ain‘ nannten. diesen semitischen konsonanten teilten die griechen auf in ein mikriges o, dem ‚ò mikrón‘ & dem daraus erfolgten mega Oh, dem ‚Õ méga‘ — über die etruskische schrift wurden sie schliesslich zum großen & kleinen lateinischen vokal ‚O‘ simplifiziert

und an seine neuzeitliche Kröōôőnung durch Corona.

#Mitternachgedacht an Adventukka

wenn auch jüdische familien in der vorweihnachtlichen zeit voller freude besinnliche lieder singen während sie plätzchen backen, lichterglänzende stimmung in harmonieliebenden dekorationen verbreiten, wie schneeflocken umher frohlocken, zusammen mit nachbarn glüweihnachten & sich karitativer wohltat finanziell zuwenden, so nennt man dies ADVENTUKKA! — wenn der christliche advent sich mit dem hebräischen chanukka schneidet, wenn festlich die lichter der advents- & menora-kerzen gemeinsam die dunkle jahreszeit erhellen, erwärmts das herz eines jeden menschen, der sich von der magie der winteridylle verzaubern lässt

…denn scrooges & grinches gibts genug!

#Mitternachgedacht über den noch sogenannten ‚Indian Summer’…*

über uns am firmament sehe ich erst den Kleinen, dann den Großen Bären am sternenhimmel prangen, dahinter funkeln zwei jäger mit ihrem hund; einer sternbild-sage zufolge waren es zwei irokesen voller mut, die im übermut den mit magie bedachten bären zur herbstlichen hatz bis in den himmel hinauf verfolgten, bevor sie ihn schliesslich erlegen konnten. seither – so erzählt die indigene legende weiter – tropft jeden november das vergossene blut der „Ursa Major“ – also der „Großen Bärin“ – vom himmel & tränkt die ahornblätter darunter scharlachrot; ihr kleines Bärchen da oben weint um sie, seine tränen färben blätter feuergelb, durch die schwere fallen sie ab. so erzählt das sternbild zusammen mit dem blättertropfen in kanada die tragischöne story des noch sogenannten ‚indian summers‘.

*wohl eher ‚Canadian Harvest‘.

#Mitternachgedacht an Martins Gans

der heutige tag, dem heiligen namensvetter meinerseits gewidmet, der als heimkehrender krieger den mantel mit einem bettler teilte, den militärdienst quittierte, mönch wurde, menschen heilte, sogar einige vor dem tod errettete, weshalb er gegen seinen willen zum bischof ernannt werden sollte & als man deshalb nach ihm schickte, er sich im stall versteckte, doch von den schnattergänsen verraten wurde. die legende lehrte mich als kind bereits nicht nur das teilen, sondern auch: es kann der frömmste martin nicht in frieden leben, wenns den dummen gänsen nicht gefällt.

(werde mir nun Martins Verräter einverleiben)