#Mitternachgedacht in der Woche 1

das erste stückelchen dieses annus mirabilis ist angebrochen, das wunderliche jahr, in welchem man vielleicht freundschaften, zwei, drei sinne, einsichten, beinahe wieder vertrauen oder die liebe gewinnt, in welchem womöglich familienzuwächse, zuversichten oder ideen durch taten geboren werden & liebes kunde weit verbreitet, berechtigungen zuteil oder weiter verteilt werden; es verpestet auch noch die cholera nid mehr; das jahr, in dem sich all das erneuern, alles verbessern, all dies voraus & laufen wird; alles, was ich von diesem jahr nun erwarte, ist nur, dass es selbst schon bald beginnen wird…

moin 2022!

#Mitternachgedacht in der Woche 52

das letzte bitzelchen dieses annus horribilis ist angebrochen, das horrende jahr, in welchem man vielleicht freundschaften, ein, zwei körperteile, perspektiven, beinahe den verstand oder die sprache verlor, in welchem womöglich familienanhang, hoffnungen oder worte auf den lippen starben & hiobs botschaften grosszügig überreicht, ungerechtigkeiten zuhauf verteilt oder eingesteckt wurden; es grassierte auch noch die pest no immer; das jahr, in dem sich all das veränderte, alles verschlechterte, all dies dahin & verging; alles, was ich von diesem jahr noch erwarte, ist nur, dass es selbst schon bald vergangen sein wird…

tschüss 2021!

#Mitternachgedacht ans Julöl

an rauhnachts schlummertrunk, maibocks weihnachtliches äquivalent zum julfest, winters dämmerschoppen & über den umtrunk zur sonnenwende, ans traditionell zum mittwinter gebraute ‚Julöl‘, das starkbier aus dem norden, nach belgischer art hergestellt, welche das deutsche reinheitsgebot mit winterlichen, oft auch aphrodisierenden gewürzen erweitert; das bernsteinfarbene ‚Weihnachtsamber‘ schmeckt beim antrunk gezimtet oder mit kardamom-prise dank hoher stammwürze malzsüffig statt hopfig & eher süßlich, in bitterkeit zurückhaltend birgt das ‚Festbock‘ die liebliche herbe von rosinen, pflaumen, feigen oder birnen im kopf, einen kräftigen hauch nussiger toast-aromen als rumpf, einen vollmundigen körper mit dezenten noten von tannenspitzen am gaumen & charakteristischen abgang karamellisierten ahornsirups & wärmenden alkohols, weswegen der ‚Winterwärmer‘ nicht nur die kehle runter rinnt wie öl, sondern auch in den kopf steigt wie sau…

Feuchtfröhliche Festtage, werte Leserschaft!

#Mitternachgedacht an Chäsfongdü [Käsefondue]

direkt auf dem traditionsgemäß runden tisch blubbert auf dem rechaud über offener flamme die geheime fromage-mélange, weissweinverdünnt & knobl auch gepeppert; rundum eine garnitur cornichons, champignons, gemischte pickels, kölblein aus mais & zwiebelchen aus silber, doch erst im caquelon aus keramik werden die regionalen käsesorten zum eigentlichen „Fondue“, zum „Geschmolzenen“. sogleich werden gebröckelte brotstücke mit kruste gereicht, welche man behutsam aufs einzige besteck, eine langgabel steckt, kurz ins obstbrandglas tunkt, dann rührend in den zerlassenen, heissen käse taucht… dies alpine nationalgericht wird nicht selten zu einem abend-füllenden genuss, auf den so mancher wanst ein loblied jodelt auf das immaterielle kulturerbe als leibspeise…

…so, wie ich hier gerade.