#Mitternachgedankt

ob mir ein leben genommen oder mir eines geschenkt wurde, wusste ich lange nicht. ich kämpfte mich durch, versuchte, stark zu sein und zurück in mein altes leben zu finden, doch es gibt kein zurück, es gibt das alte leben nicht mehr. über ein halbes jahr haderte ich damit, doch letztendlich habe ich mich entschieden, dass mir ein leben geschenkt wurde, kein neues, sondern ein anderes. vielleicht habe ich das alte leben verloren, vielleicht auch die sprache, die poesie, vielleicht ein bein, das selbständigsein, ja – aber nicht meinen verstand, meine liebe nicht, nicht meine gattin; es ist nun eben mein anderes leben. mit schmerz und abhängigkeit zahle ich nun fortan den hohen preis, doch geizig war ich noch nie, immer nur ehrgeizig…


(in demut)

#Mitternachgedacht über den Tag der Schreibmaschine

Meine Leidenschaft zu Schreibmaschinen kann ich nicht leugnen; mein Zuhause birgt einige Schätze von Triumph bis Adler, über Imperial, sowie Underwood, hin zu Hermes, Olympia und Olivetti, etc.. Jede besitzt Charme, sowie auch ihren eigenen Charakter. Die eine Schreibclaviatur aus dem 19.Jahrhundert beherbergt dank Buchhaltung schon einen @ffenschwanz, sowie diverse Währungszeichen, eine andere dafür Paragraphen & einen TAB, meine Raggamachine zeigt mir stets eine Taste mit traurigem Smiley, eine weitere schrei(b)t nur in GROSSBUCHSTABEN; viele deutsche Schreibgeräte kennen das scharfe S auf unserer QWERTZ, wohingegen die französischen Modelle mit der AZERTY-Tastenbelegung versehen sind. Die amerikanischen verwenden seit dem Vorläufer der Remington im Jahre 1868 die originale QWERTY-Tastatur, mit der sich allein in der oberen Tastenzeile das Wort „TYPEWRITER“ schreiben lässt und in der mittleren Zeile schreibt es sich blitzschnell ein „FLASH“… O wie ich sie liebe, die Tasten, in die ich gleich hauen werde!


(Sorry, Nachbarschaft!)

#Mitternachgedacht an Silbensparer

am liebsten würde ich schweigen wie ein kind. mein kleiner bruder schwieg immer, auch wenn man ihm eine frage stellte. wir dachten lange, er könne gar nicht sprechen, mit seinem dummfragenden schweigeblick. doch dann merkten wir; er kommt bloß nach dem grossvater, der war hamburger. dass es auch bei mir einmal eintreten würde, das schweigen, wusste ich damals schon, ich fragte mich nur, wann. es fing auch bei mir langsam an, mit einem nicht-antworten. mich befremdet die sprache, wenn ein J mit einem A befriedigend sein soll auf die frage, ob es „gut gehe“. es spielt nach und nach auch kaum noch eine rolle, ob ich überhaupt antworte oder nicht. meine meinung sei wichtig, doch meine entscheidung nicht mehr. mittlerweile gucke ich die fragenden bloß nichtssagend an und denke mir die antwort. bald halten mich die leute statt für unhöflich schlicht für schwerhörig…


– oder für einen Hanseaten^^