Maulesel & Hanswurst ¶

Und schon wieder schreibe ich einen Poetenblog-Nekrolog, schon wieder einen auf ein auf mich starke Wirkung ausübender Geist vom Jüngling bis zum Greis, ein fahrender Spielmann, ein grotesker Gaukler, schon wieder ist ein Meister unter den Dramatikern verstorben. Heute, am Tag der Bekanntgabe des Nobelpreises für Literatur, starb der Literaturnobelpreisträger Dario Fo:

„Die feinen Poeten in Italien haben sich so darüber aufgeregt, dass ich den Nobelpreis bekomme, dass die Beruhigungsmittel in den Apotheken fast ausverkauft waren! Einige haben sogar die Abdankung des norwegischen Königs verlangt…“

Der subversive Humor seiner Farcen und der spöttische Wortwitz seiner Stücke nahmen schon früh Einfluss auf mich, mein Schreiben. Auch seine sozialkritische Art des versteckten Theaters war vor allem für die Arbeit während meiner Straßentheater-Zeit prägend. Das versteckte („argentinische“) Theater, bei welchem ein Stück oder eine Situation im öffentlichen Raum – ohne das Wissen der Zuschauer – aufgeführt wird, brachte übrigens selbst einen Dario Fo mehrmals direkt von der ‚Bühne‘ weg ins Gefängnis, vor Gericht oder in Volkes Missgunst.

„Die Macht, und zwar jede Macht, fürchtet nichts mehr als das Lachen, das Lächeln und den Spott. Sie sind Anzeichen für kritischen Sinn, Phantasie, Intelligenz und das Gegenteil von Fanatismus. Ich bin nicht mit der Idee zum Theater gegangen, Hamlet zu spielen, sondern mit der Ansicht, ein Clown zu sein, ein Hanswurst.“

Dario Fo  (24.3.1926 – 13.10.2016)

Ich trauere um ihn, den für mich letzten wahren Commedia dell’Artist, der noch zu seinem 90. Geburtstag, seinem letzten, sinnierte: «Ich fürchte den Tod nicht; wir werden zu Staub verfallen, das sagt mir der Verstand. (…) Aber ich hoffe, ich werde überrascht.» – Und ich erinnere hier gerne an den Schluss von Fos Farce „Bezahlt wird nicht!“, welche endet mit den Worten:

„Und wenn Du eines Tages sterben musst, stirbt nicht ein alter, ausgepumpter Maulesel, nein, ein Mensch stirbt, ein Mensch, der frei und zufrieden gelebt hat, mit anderen freien Menschen!“
(langsam erlischt das Licht während der letzten Worte). 

¶In diesem Sinne rufe ich nach:
Ich hoffe, die Überraschung ist gelungen
um des Teufels und des Himmels Willen!
Eine Träne liegt auf unser aller Zungen –
das Theater weint – und singt Bob Dylan!

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