Das Buch, das nicht warten kann ¶

Bücher sind sehr geduldig: Wir kaufen sie und warten darauf, bis wir sie endlich lesen. Tage, Monate, sogar Jahre später. Für die Bücher ist das in Ordnung, aber nicht für junge Schriftsteller und Erstlingsautoren… #read_within_60_days!

Unbekannte Poeten sind darauf angewiesen, dass ihre Texte schnell in Umlauf kommen und – um sich weiterentwickeln zu können – auch schnell wieder Platz für Neues schaffen. Die unabhängigen Editoren von #Eterna Cadencia veröffentlichten eine Anthologie lateinamerikanischer Autoren, wobei sie auf diese Problematik eingehen. Für die Anthologie „The book that can’t wait“ verwendeten sie daher eine spezielle Druckertinte: Sobald das Buch aus der Verpackung genommen wird und die Tinte auf Luft und Licht trifft, verblasst die Schrift langsam, wird in zwei Monaten sogar ganz verschwunden sein. Das Buch zwingt den Leser so, es innerhalb von 60 Tagen zu lesen oder für die Vergänglichkeit freizugeben: Hinfort die Schrift, die Poesie, die Erstlingswerke vieler Autoren!

Neuraum: Poesie ist flüchtig und alles Poetische vergänglich, so auch dieses wunderbare Werk, welches von bibliophilen Sammlern wie mir gleich doppelt erworben wird. Eine die Poesie belebende #Ars_moriendi wohnt in dieser Ausgabe inne. Die Schönheit der Nostalgie und die Erinnerung an die Zukunft werden in und mit diesem Buch bis zum letzten Tag ausgekostet. Eine wunderbarere Gabe an die Poesie kann ein Verlag der jungen Literaturszene kaum schenken:

Obrigado, #Eterna Cadencia!

#In diesem Sinne:

16 thoughts on “Das Buch, das nicht warten kann ¶ Hinterlasse einen Kommentar

  1. Bei diesem Buch geht es um die Autoren, denen es eben nicht egal sein kann – und de facto ist – ob oder wann ihr Buch gelesen wird. Ein schnelles Printmedium wurde erfunden, der Poesie wegen! Nicht – wie bei einem Ebook – des Lesers wegen.
    Mir gefällt die Idee dahinter sehr, aber man muss eben verstehen, dass Bücher nicht nur für den Lesenden da sind…

  2. Manchesmal dauert es JAHRE…..bis ich das BUCH was ich mir mal gekauft habe gelesen habe,es kommt nicht oft vor…doch manchesmal ist es auch so..versteht MENSCH Bücher erst JAHRE später..ich sags so..wenn die ZEIT reif ist kommt auch das BUCH zu dir…..LG ANDREA:))

  3. Ein intensives Poesieverständnis zeigte auch meine Mutter, als sie dieses Buch im schattigen Garten las. Jedesmal, bevor sie es für eine spätere Fortsetzung schloss, legte sie zwischen die gelesenen Seiten eine Blume, einen Grashalm oder nach was auch immer der Geschmack der von ihr gelesenen Zeilen kitzelte.

    1. „Das Buch, das nicht warten kann“ wäre heute erblasst, nach 60 Tagen seit meinem Blogartikel. Genug Zeit, um es gelesen haben zu können: Das sollte nach dieser zweimonatigen Veranschaulichung des @PoetenBlog auf Twitter klar sein.
      Danke dafür

  4. Ich stehe dem skeptisch gegenüber. Wenn ich Vergänglichkeit will, dann kaufe ich mir eine Zeitung, ein Buch aber dazu zu verdammen heißt, sich dem Markt in all seiner Perversion unterzuordnen.
    Weshalb der Wunsch nach Beständigkeit nicht poetisch sein soll, erschließt sich mir ebenfalls nicht. Hingegen der Wunsch nach Intensivierung ist mir zuwider, das Wort allein schon ist etwas schrecklich Effizientes, es klingt in mir nach zum Beispiel die Intensivierung des Ackerbaus, Intensivierung der Erziehung usw.
    Fliegt ein Kolibri noch von Blüte zu Blüte, wenn er an der ersten bereits satt wird?

    1. Also ich kann intensiv leben ohne an Ackerbau und Erziehung zu denken. Ich kann auch meinen Wunsch nach weltlicher Beständigkeit mit einem Bausparvertrag befriedigen.
      Aber selbst das letzte Buch kann ich nicht in die wahre Stete – die Ewigkeit – mitnehmen. Nur die Erinnerung daran. Es geht ums Geben und Nehmen, nicht nur ums Nehmen: Deshalb flattert der Kolibri auch nach dem Sattsein weiterhin von Blüte zu Blüte, wegen der Bestäubung. Um Dankbarkeits Willen weiterzutragen, was ihn einst oder heute satt machte.
      .

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