Mehr als ein Spiel. ¶

oder: „Zwischen Krieg und Spiel liegt Sport.“

Wahrlich, ich bin kein Sportler, ebenso bin ich kein Fan von irgendeiner Sportart, geschweige denn von einem Verein, auch hier im Poetenblog-Verzeichnis findet man eigentlich keine sportbezogenen Beiträge und was ich mit Sport am Hut habe, lässt sich mit Denksport, Schach und Billard zusammenfassen. Ich sehe das Leben zwar sportlich, doch die Leibesübungen, die ich turne, nennt man kaum Sport und ich schaue mir auch solche Rennen nicht wirklich an, höchstens ich platzierte eine Wette. Nach der Olympiade und vor der Fußball-WM gestehe ich jedoch ein: Begeistern lasse ich mich vom Treiben der Sporttreibenden, ihren Anhängern und Kommentatoren schon. Diese überschäumende Dramatik, die man zu Gesicht bekommt, ist beflügelnd: Erst baut man Erwartungen auf, indem man das Training der Professionellen mitverfolgt, man verliert auch schon mal seine Hoffnung im Vorfeld, weil ein Favorit verletzt ist und man nimmt es persönlich, wenn einer seine Doping-Sünden beichtet. Die Medien beliefern uns mit Spielplänen, berichten von Korruption und Intrigen, schon früh wird über mögliche Gold-Chancen spekuliert und am Stammtisch entpuppt sich jeder als Stratege oder Experte; alle scheinen von diesem Phänomen angesteckt zu sein, urplötzlich, und fiebern mit wie im Wahn. Wie das Publikum dann bei einer sportlichen Tragödie in Tränen auszubrechen vermag, wie es seine Freude unverhohlen johlend teilen und verbreiten kann, wie enttäuschte Sportenthusiasten auf verlorenem Posten ihre noch kurz zuvor wehenden Fahnen zusammenlegen und die flammenden Banner stillschweigend einpacken, wie faire Sieger die Besiegten trösten und wie sich gute Verlierer für die bessere Leistung der Gegner mitfreuen können, wie man den Erfolg der tatsächlichen Sportler mit einem Autokorso bejubelt und auch, wenn man seinen Frust über den Verlust irgendeiner Medaille oder irgendeinem Pokal mit Vandalismen, Randalkultur und Hass-Kommentaren zum Ausdruck bringt. Wie man beim Schlusspfiff, dem Gong oder auf der zielgeraden Linie kurz die Welt rundherum vergisst, sich voll gehen lässt und nicht merkt, dass man unter Leuten ist, vielleicht sogar den Dramatiker nicht bemerkt, der zuschaut. Das find ich toll, das ist mein Sport.

¶In diesem Sinne:

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