Leider machen Leute ¶

Der Schmied als Schneider, der Skulpteur als Kostümbildner, der Visagist als Maskenschnitzer.
Ein Gedicht.

 

Einen Anzug aus Regen
näh ich mir und setz mich rein,
um ihm nah zu sein, näher.
Ein Paar Schuh schuster ich mir;
einen aus ein paar Federn
und den andern aus Magnet.
Einen Gehstock aus Wurzeln
schnitz ich aus den meinigen.
Mit einem Hut aus Wolken
bekleide ich meinen Kopf,
einen Schlips bind ich mir um;
aus Galgenstrick um den Hals,
in ein Hemd ohne Taschen
schlüpf ich, mit Knöpfen aus Moor.
Stülp mir auch Socken über
aus puren Barfußnächten,
Unterwäsche aus Feigen
und Blättern zieh ich mir an,
umhüll mich gar mit Schatten,
füll mich mit Watten, getunkt
in des Herzwindes Launen,
setz mir eine Brille auf
mit einem Glas aus Zwielicht,
dem and’ren aus Schummerung.
Den Bart aus Schand stutz ich mir
und den Schnauz aus Ehr gleich mit,
zieh mich an, mach mich zurecht,
leg mir einen Mantel um
jener aus Blei und Schafspelz,
geh aus der Tür auf die Straß‘,
in die Welt und schau hinaus.

 

¶ Begegne ich dir im Park,
so setz dich neben mich hin
und dann wein in diesem Sinn.

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