Dem Dichter Robert Burns zu Ehren ist der heutige Tag ein Feiertag für Freunde der schottischen Kultur, genauso bei Literaturliebhabern wie wir. — Herzliche Einladung zum traditionellen BurnsSupper; the same procedure as every year. ¶


Am 25. Januar eines jeden Jahres begehen die Schotten ihren „zweiten Nationalfeiertag“, den Geburtstag von Robert Burns. Doch auch überall, wo sich die schottischen Migranten weltweit niedergelassen haben, wird zu diesem Anlass eine BurnsNight gefeiert, beginnend mit einem ausgiebigen Essen; dem BurnsSupper. Er wird nach traditionellen Regeln abgehalten:

The Burns Supper Procedure*

BurnsSuppers unterliegen offiziellen, seit 1796 unveränderten Ritualen, einem traditionellen Ablauf des Abends folgend. Beim Auftakt eines BurnsSuppers wird nach dem Einzug der Redner & des Zeremonienmeisters, in Begleitung des Pipe Majors, zunächst die versammelte Gesellschaft mit einer kleinen Ansprache willkommen geheißen & gemeinsam das Tischgebet Selkirk Grace gesprochen:

Some hae meat and canna eat,
And some wad eat that want it,
But we hae meat & we can eat,
Sae the Lord be thankit.

Manche haben Fleisch und können nicht essen
Manche können nicht essen, die es gerne täten
Aber wir haben Fleisch und können essen
Also lasst es uns dem Herrn danken.

Und sogleich beginnt der große Supper, das nächtliche Souper, natürlich mit einer Suppe wie Scotch Broth, Kartoffelsuppe oder Cock-a-Leekie. Anschließend erheben sich alle Gäste, wenn der Koch mit Dudelsackbegleitung feierlich den Haggis herein trägt. Der jeweilige Ehrengast rezitiert dann Burns’ „Address To a Haggis“, wobei der Redner bei der Zeile ‘His knife see rustic Labour dicht’ ein Messer hervorzieht, es abwischt & es bei der Zeile ‘An’ cut you up wi’ ready slicht’ in den Haggis sticht & ihn der Länge nach aufschneidet. Diese Prozedur ist ein Highlight des Abends. Nachdem das Gedicht vorgetragen wurde, erheben alle Gäste ihr Whiskyglas & sprechen einen Toast to the Haggis aus. Unter Dudelsackbegleitung wird der Haggis vom Koch wieder in die Küche getragen & offiziell zum Servieren freigegeben. Anschließend nehmen alle wieder Platz, verspeisen den Haggis mit Kartoffelbrei & Steckrübenmus. Malt Whisky dient als Soße zum Haggis. Mit Trifle, Oatcakes & schottischem Käse zum Dessert, natürlich werden alle Gänge von ausreichend Whisky begleitet. Ist man dann beim Kaffee angekommen, werden diverse Toasts ausgesprochen & nach dem Loyal Toast dürfen die Gäste ihre Plätze verlassen, um in die (Verdauungs)Pause zu gehen.

Ritualisierend beginnen nach der ersten Pause die Zitierungen von Burns Gedichten, z.B. „My Luv is like a red rose“, beim Immortal Memory hält einer der Gäste eine kurze Ansprache zur Erinnerung an Aspekte in Burns‘ Leben oder Dichtung. Diese Ansprache kann ernst oder unterhaltsam sein, sollte allerdings das anwesende Publikum nicht langweilen. Alle sprechen einen Toast auf Robert Burns aus! Woraufhin auch schon der Toast to the lasses folgt. Ursprünglich ein kurzer Dank eines männlichen Gastes an die Frauen, die das Mahl zubereitet haben; heute ist er weiter gefasst & spiegelt die Ansicht des Redners in Bezug auf Frauen wieder; amüsant, satirisch, aber niemals beleidigend. Der Redner behält hierbei auch im Auge, dass eine Antwort der angesprochenen Frauen folgen wird. Doch zuerst trinken die Männer auf das Wohl der Frauen! Beim Reply to the toast to the lasses, humorvoll auch „Toast to the Laddies“ genannt, spricht ein weiblicher Gast über ihre Sicht auf Männer & antwortet ebenso amüsant auf ihren Vorredner, woraufhin die Frauen auf das Wohl der Männer trinken, Toast!

Nach der zweiten Pause folgt das Schlusszeremoniell; es werden weitere Toasts folgen; auf das Land, in dem das Fest gefeiert wird, auf Schottland, auf den Gastgeber, auf anwesende Gäste, vor allem Toasts to Robert Burns! Meist werden seine Lieder gesungen & Gedichte rezitiert. Das kann von Gästen gemacht werden oder von speziell für diesen Zweck eingeladenen Sängern. Dies wird solange fortgesetzt, wie es die Anwesenden verlangen & ist angesichts der vorher reichlich ausgesprochenen Toasts meist eine sehr unterhaltsame Angelegenheit. Doch wenn erste Ermüdungserscheinungen auftreten, übernimmt wieder der Zeremonienmeister & bittet einen der Gäste darum, die Dankesworte zu sprechen. Anschließend erheben sich alle Gäste, treten zusammen, um gemeinsam Auld Lang Syne zu singen, womit der Abend offiziell beschlossen wird. Doch auch hier findet sich beim BurnsSupper, welches allmählich zu einer BurnsNight artet, meist noch kein Ende; folgen können dann sogenannte Lost Manuscripts, also fiktive Anekdoten im Sinne von Burns, Fanfiction, etc., natürlich Musik mit Tanz, Gesang, Pipers & Tasting to the Happy End…

¶In diesem Sinne:

So feiern wir in Freundschaft, Dank und der Demut, Robert Burns‘ wieder etwas näher zu sein, diese literarische Sitte in seinem Sinne, wie seit 200 Jahren & wie vor 200 Jahren, mit seinem Geiste blickend, besehen wir die Welt heut Nacht:
Slainte Mhath, fellews n folks!

 


Anm. der Redaktion:
*Dieser #WortArtikel entstand durch freundschaftliches Mitwirken unserer Verbündeten The Clansmen, mit herzlichem Dank für Quellen & Texte. Das originale Haggis-Neeps-n-Tatties-Rezept stammt von unseren Freunden von The Scotsman (siehe Bild), auch Ihnen sei gedankt.

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