#Prolog:
Als Poet bin ich sicherlich nicht einsam im Kreise der Whisky-Connaisseure, wahrlich. In jungen Jahren verliebte ich mich in so manchen Single (Malt), die zuweilen älter waren als ich selbst! — Doch die große Liebe fand ich vor zehn Jahren in einem schlichten Copper Pot Triple Destilled Irish Single Malt Whiskey.
Der „International Irish Whiskey Day“ wurde von Stuart McNamara ins Leben gerufen, weil es ihm missfiel, dass am St. Patrick’s Day (zwei Wochen später) der Irish Whiskey als Nationalgetränk nicht gebührend geehrt werde, zumal er oft mit grüner Couleur in einem Cocktail lande. Der 03.03. als Schnapszahlen-Datum deutet nicht nur auf die 3 Farben der irischen Flagge oder das dreiblättrige Shamrock-Kleeblatt hin, sondern bezieht sich ebenfalls auf die 3 bedeutenden Irish Whiskey-Sorten: Single Malt, Single Grain und Pot Still Whiskey. Diese werden ebenso dreifach destilliert – Scotch doppelt – und lagern mindestens ebenfalls 3 Jahre – statt nur 1 Jahr – im Holzfass vor der Flaschenabfüllung.
Weil irische Whiskeybarone damals gegen das Aufkommen von minderwertigem Getreide aus Coffey Stills rebellierten, wurde eine Whiskeysorte über alle anderen gestellt: Der „Champagner des Whiskeys“ war eine Meistermischung aus Pot Still und Malt Whiskey, beide in Kupferkesseln destilliert; weil #Genuss verpflichtet. Das Irland des 19. und frühen 20. Jahrhunderts wurde dadurch die führende Whiskey-Produktionsnation der Welt und der Geburtsort literarischer Giganten; eine goldene Ära sowohl für den irischen Whiskey als auch, sicherlich nicht rein zufällig, für große irische Romanautoren, Dichter und Dramatiker, darunter Schriftsteller wie George Bernard Shaw, Oscar Wilde, WB Yeats, Lady Gregory, James #Joyce, Samuel Beckett und Bram Stoker, um nur einige zu nennen.
Wortliebhaber:info
Irischer Whiskey schreibt man mit einem Schlüssel, einem -key am Ende. Alle anderen Whiskys mit einem Himmel, also -sky. Die Bezeichnung Whisk(e)y stammt vom gälischen „Uisge beatha“ (ausgesprochen etwa: ui-sca-ba), was so viel wie „Wasser des Lebens“ bedeutet, ähnlich dem lateinischen „Aqua Vitae“.
Den gälischen Trinkspruch «Sláinte Mhaith» spricht man „slanschewaa“ aus (Phonetisch: ˌslɑːndʒə ˈva.). In Irland sagt man eher „slonsche vay“. Übersetzt heißt dies, was ich uns wünsche: Gute Gesundheit!
Viele dieser großen Schriftsteller suchten wohl mehr als gelegentlich Zuflucht in ihrem örtlichen Wirtshaus, wo sie Inspiration aus ihren Beobachtungen des alltäglichen Lebens schöpfen und dabei gemütlich ihr „Wässerchen des Lebens“ genießen konnten. In einer solchen Taverne in der Nähe von Royal Oak der Grafschaft Carlow erzählte mir jemand eine Legende, die besagt, dass die Tränen eines irischen Poeten aus purem Whiskey seien. Von einer Schreibblockade geplagt, weinten sie bis ihr Glas gefüllt war; wobei das Trinken ihrer Tränen sie dann zu neuen Geschichten und Gedichten inspirierte.
Die Bezeichnung Dram ist eine Maßeinheit. Statt eines genormten Glases oder eines Shots, ist ein Dram diejenige Menge an Whiskey, welche von der Großzügigkeit und Laune des Einschenkenden bestimmt wird; meine Lieblingsmaßeinheit.
Vielleicht wegen dieser Legende oder seinen belebenden und begeisternden Eigenschaften, aber sicherlich auch wegen des vollmundigen, würzigen Geschmacks, kann sich der Dichter heutzutage an einem irischen Dram «Writer’s Tears» von der Familie Walsh erfreuen. Im Preissegment zwischen 50.- für den Bescheidenen und für Exquisite im Holzrahmen mit Schuber bis zu 500.- liegt dieser edle Tropfen sogar für arme Poeten im erschwinglichen Bereich und dient bei Lesungen oftmals (oftmals kistenweise) als Autoren-Gage… — Zurecht! Denn so ein „Writer’s Tears“ zelebriert die Verbindung zwischen der Kunst der Pot-Still-Destillation und dem Abglanz einer tiefen, dauerhaften Symbiose mit großen Geistern der Literatur; wenngleich – wie in unserem Falle – auch bloß als lucky Nutz(ge)nießer…
#Epilog:
Mit einem Dram davon schwelge ich am liebsten mit einem sehr irischen Buch – oder einem Versteck im Buch – in traditioneller Poesie durch die Bibliothek, geselle mich zu den grünsten Hügeln, inspiriere mich durch Jahrhunderte roher Inseln, als reiste ich in die Träume der Träumer. Ich erinnere mich an #Burns und #Bloom, schenke nochmals ein wie in der Schenke, trinke am Quell aus meinem Glas, schnuppere am moosigen Gras, lausche dem berauschten Wind, horche der Elegie in der Eloge, Woge um Woge wippe ich mit, nippe ich mit jedem Schluck sublim mich näher an Dublin, so strudele ich umgeben im Fluss, doch trudele ich nicht, werde zwar mit allen gälischen Wässern angespült, schmatze jedoch pathetisch aus der Nostalgie heraus, sauge an der Zitze der keltischen Leichtigkeit in aller Barbarie! — Und ich bin mir sicher: Heute werde ich Tränen aus Whiskey weinen sehen und mich sagen hören: „Ahoj, Muse!“






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