Kopfkino

Der „International Irish Whiskey Day“ wurde von Stuart McNamara ins Leben gerufen, weil es ihm missfiel, dass am St. Patrick’s Day (zwei Wochen später) der Irish Whiskey als Nationalgetränk nicht gebührend geehrt werde, zumal er oft mit grüner Couleur in einem Cocktail lande. Der 03.03. als Schnapszahlen-Datum deutet nicht nur auf die 3 Farben der irischen Flagge oder das dreiblättrige Shamrock-Kleeblatt hin, sondern bezieht sich ebenfalls auf die 3 bedeutenden Irish Whiskey-Sorten: Single Malt, Single Grain und Pot Still Whiskey. Diese werden ebenso dreifach destilliert – Scotch doppelt – und lagern mindestens ebenfalls 3 Jahre – statt nur 1 Jahr – im Holzfass vor der Flaschenabfüllung.

Weil irische Whiskeybarone damals gegen das Aufkommen von minderwertigem Getreide aus Coffey Stills rebellierten, wurde eine Whiskeysorte über alle anderen gestellt: Der „Champagner des Whiskeys“ war eine Meistermischung aus Pot Still und Malt Whiskey, beide in Kupferkesseln destilliert; weil #Genuss verpflichtet. Das Irland des 19. und frühen 20. Jahrhunderts wurde dadurch die führende Whiskey-Produktionsnation der Welt und der Geburtsort literarischer Giganten; eine goldene Ära sowohl für den irischen Whiskey als auch, sicherlich nicht rein zufällig, für große irische Romanautoren, Dichter und Dramatiker, darunter Schriftsteller wie George Bernard Shaw, Oscar Wilde, WB Yeats, Lady Gregory, James #Joyce, Samuel Beckett und Bram Stoker, um nur einige zu nennen.



Viele dieser großen Schriftsteller suchten wohl mehr als gelegentlich Zuflucht in ihrem örtlichen Wirtshaus, wo sie Inspiration aus ihren Beobachtungen des alltäglichen Lebens schöpfen und dabei gemütlich ihr „Wässerchen des Lebens“ genießen konnten. In einer solchen Taverne in der Nähe von Royal Oak der Grafschaft Carlow erzählte mir jemand eine Legende, die besagt, dass die Tränen eines irischen Poeten aus purem Whiskey seien. Von einer Schreibblockade geplagt, weinten sie bis ihr Glas gefüllt war; wobei das Trinken ihrer Tränen sie dann zu neuen Geschichten und Gedichten inspirierte.



Vielleicht wegen dieser Legende oder seinen belebenden und begeisternden Eigenschaften, aber sicherlich auch wegen des vollmundigen, würzigen Geschmacks, kann sich der Dichter heutzutage an einem irischen Dram «Writer’s Tears» von der Familie Walsh erfreuen. Im Preissegment zwischen 50.- für den Bescheidenen und für Exquisite im Holzrahmen mit Schuber bis zu 500.- liegt dieser edle Tropfen sogar für arme Poeten im erschwinglichen Bereich und dient bei Lesungen oftmals (oftmals kistenweise) als Autoren-Gage… — Zurecht! Denn so ein „Writer’s Tears“ zelebriert die Verbindung zwischen der Kunst der Pot-Still-Destillation und dem Abglanz einer tiefen, dauerhaften Symbiose mit großen Geistern der Literatur; wenngleich – wie in unserem Falle – auch bloß als lucky Nutz(ge)nießer…

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