Durchaus aphorisierend! ¶

»Die Neigung der Menschen,
kleine Dinge für wichtig zu halten,
hat sehr viel Großes hervorgebracht.«

Als Liebhaber von Kleinigkeiten, die das Leben größer machen, sublimieren wir gerne mal die KleinKunst der Literatur. Nebst Kurzgeschichten und Minidramen, gehören ebenso das lyrische Elfchen, japanische Haiku, die Mikropoesie, sowie die prosaischen Anekdoten, hemingway’schen Sixwords & französischen Bonmots, zu den kleinen, kleinsten Gattungen der kurzen Lyrik, bzw. kürzesten Prosa. Hierzu zählt auch Essays jüngster Bruder, der Aphorismus, „das kleinste mögliche Ganze“ wie ihn Musil nannte oder Fontane: „Die Weisheit eines ganzen Buches in einem einzigen Satz.“

Der erste Aphoristiker, der prägnante, in sich geschlossene Maximen in Kurzprosa, über Kenntnisse, Erfahrungen oder Weisheiten hinterließ, war Heraklit vom Ephesos (um 500v.u.Z.). Später wurden ebenso Aphorismen in den Nachschriften Sokrates belegt. Die Meister der französischen Moralisten bedienten sich im 17. Jahrhundert dieser mitunter belehrenden Aperçus und begründeten damit dies literarisch-philosophische Genre, erhoben den Aphorismus zur eigenständigen Prosagattung, die er seit dem 20. Jahrhundert ist. Als Begründer des deutschsprachigen Aphorismus gilt jedoch der Mathematiker und Experimentalphysiker Prof. Georg Christoph Lichtenberg*, dessen 277. Geburtstag wir heute feiern.

»Von dem Ruhm der berühmtesten Menschen gehört immer etwas der Blödsinnigkeit der Bewunderer zu!« *

 

* Lichtenberg

G. Ch. Lichtenberg
(1. 7. 1742 bei Darmstadt
– 24. 2. 1799 in Göttingen)


„Sudelbücher“, dtv
Hrsg. Wolfgang Promies,
2240 Seiten, im Schuber,
ISBN 978-3-423-59075-4

Der vielseitigste Vertreter des Zeitalters der Aufklärung schrieb – über 30 Jahre hinweg und mehr – seine zugespitzten Einfälle, fragmentarischen Exzerpten, geistreichen Reflexionen, auch Witze, sowie tagebuchartige Gefühlsregungen nieder. Vom ‚Waste Book‘ der Kaufleute inspiriert, notierte er sich fortan in das von ihm so genannte ‚Sudelbuch‘ allerlei Bemerkungen zum Alltag, spitze Glossen über Zeitgenossen, auch Marginalien zum Zeitgeschehen, ebenso Sinnsprüche zur Naturwissenschaft, sowie physikalische Gedankensplitter & satirische Sentenzen zur Literatur. Diese zahlreichen Schmierhefte wurden posthum veröffentlicht; mit der Publikation der „Sudelbücher“ würdigte man die kleine Erzählform des Aphorismus‘ mit einem grossen Auftritt, den er auch in der deutschsprachigen Literatur verdient.

¶AUF ein WORT:

»Lichtenberg gräbt tiefer als irgendeiner, aber er kommt nicht wieder hinauf. Er redet unter der Erde weiter. Nur wer selbst tief gräbt, hört ihn.«

— Karl Kraus

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