8.März; Todestag von Berlioz, Geburtstag der Frauen und meiner. Ich schenk mir eine Auszeit ein, fantastique! Allein zum Wohle mir, uns .. oder ihr allein! ¶ 

Er lehnte den Begriff „Romantik“ kategorisch ab, obschon er wohl der wichtigste Vertreter der musikalischen Romantik war. Seine für damals revolutionäre Musik wurde kaum verstanden, verstörte das Publikum bloß. Der klassische Punk verpasste dem Orchester eine neue Instrumentation, die bis heute üblich ist und rebellisch gab er den gültigen Takt mithilfe eines modernen Metronoms an. Er dirigierte, komponierte, schockierte und wurde tot zwischen seinen beiden Frauen begraben.

Meine Ehefrau liebt Berlioz sehr, „den Hector“, wie sie ihn immer nennt. Dies ist wohl eines ihrer Geheimnisse, welches ich nie jemandem sagen darf. Sie erzählt mir viel von ihm, was ich kaum glauben, kaum meinen Ohren trauen kann. Bin aber fasziniert. So viele Bücher und Geschichten über ihn stehen bei uns im Haus, doch irgendwie kam es, dass nie eine Musik von ihm zu uns hinein gefunden hat. Bisher. Wir gingen in Konzerte, hörten seine Kompositionen online, wir streamten und sahen sein Werk im TV. Mein Liebling fantastique — sie nennt mich Liebhaber, ich sie Liebling, das Wort ist selbstverständlich, ja, sie kennt mich — schenkte mir zum Geburtstag Long-Play Platten, ich war so gerührt: Das Requiem “Grande Messe des Morts“. Weil Hector an meinem Geburtstag verstarb und sie wisse, dass ich auf sowas stehe.

Nun sitze ich lautstark mit Pioneer-Kopfhörern an meinem Geburtstag da, höre ihm endlich mal richtig zu, dem Hector, meine Frau hat endlich mal ihre Ruhe, schmiegt sich mir auf dem Sofa an, liest ein Buch, womöglich gar über Berlioz oder roh von Balzac und schenkt mir endlich mal stets nach, schenkt mir Gemütlichzeit ein. Wahrscheinlich werden wir dann noch ein bisschen weinen, ein wenig lachen, uns heftig lieben und nach Mitternacht eine meiner Partys crashen, während zuhause weiterhin mein Metronom im Musikzimmer immer weiter hin und her tick und tackt, hektisch, taktisch wie Hector, endlich mal. Sie — der einzig wahre wortliebling — ist die Heldin dieser und meiner persönlichen Geschichte, des #Weltfrauentags; und ich bin ihr stiller Geburtstagskönig auf dem Alltagsthron, hinter ihr.

¶Auf ein Wort:
Ein Hoch auf die Frauen, ein Hoch auf die Künstler, ein Hoch auf die Menschen im kleinen Glück, im schönen Sein; es lebe der 8. März!

 

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