In coronalen Krisen wie diesen denkt man, die Zeiten würden stillstehen. Dem trotzt der heutige #WelttagDerPoesie & der Frühlingsanfang, die einiges gemein haben; wie Asche & Schnee, denn: Immer wieder geht im Osten die Sonne auf…

Von Natur aus lässt der Frühling alles Alte hinter sich und beginnt einfach so einfach mal neu, mehr noch als das menschengemachte Neujahr. Er schert sich nicht um das, was war, denn der Winter ist vorbei, die Kälte vorüber, trotz- und wegendem trotzt er dem Tod und gebiert im Frühjahr sich und allesamt stetig und stets, abermals jung; steigt jungfräulich im Kreislauf aus der Verderbtheit des Vergangenen auf, wie poetisch. Unbenutzt statt beschmutzt, zwar ungebraucht noch, doch mit dem Wissen des Gewesenen, wie Phönix aus der Asche, das Vorher zwar verbrannt, doch nicht verbannt, denn auf der Asche des Winters baut sich der Frühling auf, aus diesem Schnee erfindet der Phönix sich selbst, neu in noch stärkerer Kraft, wie symbolisch. Das Morbide als Hintergrund, Kompost als Untergrund für neuen Humus, Asche als Mahnmal dessen, was frisch geschöpft wird, Schnee als Denkmal manifestiert, jedes Jahr.

Von Tempi passati zu einem absoluten Novum, schon wieder, Heureka. Voriges ist verwichen, alle alten Rechnungen sind beglichen, was folgt, ist ein Versprechen; zum Neuanfang der Maienzeit im März. Weiß und rein, wie die Schneedecken noch vor Kurzem waren, werden bald auch die Gefühle des Frühlings spitz, verliebt und stumpf unbeschwert. Aus dieser Unbekümmertheit der Reinheit des Weiß‘ wird die Welt in Hoffnungs Grün getränkt und bunt gesprengt. Voller Hingabe krabbelts jäh, es sprießet, schießet in die Höh‘, es keimet auf im Grunde und hummelt im Munde; es treiben die Pflanzen geil, treibt mich umher, es ranzt und brunftet rauschend. Es fleucht ein neuer Wind, ein warmer im Lenz, obschon es immer ein und derselbe ist, der gleiche Wind von Liebe und Tod noch immer, Halleluja. Doch sind diese selben Lüfte voller Gelüste nun, voller Samen zur Befruchtung unterwegs, so die Bestäubung allerorten, aller Arten, Paare bilden sich in der Zuversicht, es sei für immer wie bei den Schwänen, es rammelt und balzt ringsumher, es pirscht Hosen und jagt Schürze, rundherum. Auch der Frühling selbst wittert und wettert, donnert mal und regnet auch, verbreitet eine entrückende Stimmung in den Tag hinein, nicht nur entzückendes Sommersein, nicht bloß Abendrot, sondern auch mal Morgentau und -nebel.

Verweilen, — ewiglich im süßen Sommer, bis die Sonne blendet und die Hitze wellt, ewig im herben Herbst, in der Ars moriendi des Jahres, bis alles vergeht und welkt, eine Ewigkeit im wüsten Winter, bis alles kaltgestellt und starrt — will ich nicht; ich will lebendige Bewegung, will den Frühling kosen, will kosten vom Osten, will milde Sonne, will wilde Poesie, will sie. Frühling ist eine Sie, ist wie die Poesie. Es wird ein Versprechen entbunden, gebunden an den Winter, geblickt auf die Vielfalt des Sommers, im Hinblick auf die Vergänglichkeit im Herbst; ein Versprechen der Genesung, dass alles im Vergessen lässt, was der Winter zermürbte, ein Versprechen der Regeneration, an die Generation, die glaubte, die Welt gehe kühl und kühn zugrunde halt an Eis und Kalt, im Sonnen-Untergang verloren. Doch nun wird wieder geboren! Täglich geht die Sonne auf, im Osten. Am Besten gedeihen die Emotionen in der Poesie der Treue des Frühlings: Unser ist nun da. Und die Poesie ist ein Morgenstrahl, eine Wassertränke, – und ich sage es nochmals – ein VERSprechen. Wir sind dieser Lyrik Zeilen; so lass uns Neues reimen!

¶Auf ein Wort:

Ich faule den Lenz, lenze faul im Garten hinterm Haus, lässlich und lässig, umgeben von natürlicher Herrlichkeit, von summenden Damen und knospenden Knaben, von all den Gaben des frühen Jahres, des Vorboten, all den Verboten zum Trotz. Das ist Poesie, das ist mein Tag.

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