Bloomsday ist der einzige Feiertag, der einem Roman — „Ulysses“ von James Joyce, genauer der Hauptfigur Leopold Bloom — gewidmet ist. Der rund 1000seitige Roman spielt an einem einzigen Tag, dem 16. Juni 1904. Die Tradition, den heutigen Tag zu feiern, begann inoffiziell schon einige Jahre nach der Erstveröffentlichung dieses Jahrhundertromans: Tatsächlich war es auch James Joyce selbst, der in Paris den Bloomsday einleitete: Am 16. Juni 1929 lud Joyce nebst seiner Familie auch seine Verlegerin Sylvia Beach und einige befreundete Schriftsteller, darunter Samuel Beckett, zum Mittagessen ein, besser gesagt zu einem „Dejeuner Ulysses“:

Joyce liebte die Zufälle und er hatte entdeckt, dass es in einem kleinen Ort in der Nähe von Versailles ein „Hotel Leopold“ gab. Dort sollte die Feier stattfinden und es gibt Fotographien von der Festgesellschaft, auf der alle Beteiligten sehr würdig aussehen, geradezu pompös. Was diese Bilder allerdings nicht zeigen, ist das Ende dieses „dejeuner Ulysses“: Auf dem Rückweg nach Paris nämlich bestanden Joyce und Beckett darauf, an jeder Kneipe anzuhalten, um noch mehr Wein zu trinken. Irgendwann wurde es dem Kutscher, der die Gesellschaft begleitete, zu bunt. Er fuhr los und ließ den völlig betrunkenen Beckett in einer Kneipentoilette zurück, von der dieser erst am nächsten Tag wieder nach Paris zurückgelangte.

Diese Anekdote und ähnliche Geschichten rund um den ersten, historischen Bloomsday gingen um die Welt; so wurden dann auch in Kanada oder Australien, in den USA und sogar in Japan ähnliche Kneipentouren — manche sagen Sauftouren — zu diesem Datum organisiert. Doch nicht in Irland: Erst 25 Jahre später, am 16. Juni 1954, versammelten sich in Dublin einige irische Schriftsteller wie Patrick Kavanagh, John Ryan und Flann O’Brien zu einem Ausflug nach Sandymount zum Martello Tower, wo das erste Kapitel des „Ulysses“ beginnt:

Sittsam und zivilisiert ging es auch hier los, doch auf dem Weg zu ihrem Bestimmungsort kamen sie an so vielen Pubs und Kneipen vorbei, in die sie alle einkehrten, so dass sie schließlich kaum noch stehen konnten. Endlich angelangt beim Turm gipfelte das Ganze schließlich darin, dass sich Kavanagh und Flann O’Brien aus Versehen gegenseitig anpinkelten. 

Somit war auch in Irland der erste, offizielle Bloomsday geboren, denn seither wird er jährlich gefeiert, mittlerweile wird er dem St.Patrick’s Day gleichgesetzt; er erfreute sich in den Folgejahren auch weltweit großer Beliebtheit und führt selbst heute noch zu einem b(l)oomenden Tourismus rund um Dublin.

Ich muss manchmal lachen, wenn die Bloomsday-Veteranen schimpfen, der Bloomsday wäre heutzutage zu einem Massenereignis geworden, das den „Ulysses“ vulgarisiert. Ich meine, was wir heute machen, ist doch kaum so vulgär wie der Bloomsday im Jahr 1954. Oder 1929. 

David Norris,
irischer Senator

¶In diesem Sinne:

Sláinte Leopold, Cheers Joyce and a
Happy Bloomsday to Everyone!

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