Faszination Schreibmaschine
Meine Leidenschaft zu alten Schreibmaschinen kann ich nicht leugnen; mein Zuhause birgt einige Schätze von Triumph bis Adler, über Imperial oder Remington, sowie Underwood, hin zu Hermes Baby, Olympia und Olivetti, etc. So lasse ich mich von diesen analogen Schätzen betören, von ihrer Haptik, dem mechanischen Rattern, von ihrer Historie und wegen ihrer Nostalgie. Der Gedanke gefällt mir, dass auf einer solchen Maschine ein Meisterwerk Geschichte schrieb, darauf womöglich der #Ulysses getippt wurde, Hemingways dicke Finger auf die gleichen Tasten hämmerten – Schlag auf Anschlag – oder wie Hunter S. Thompson auf eben dieser Schreibmaschine seine Gedanken sortierte… Dabei sammle ich eigentlich gar keine, nicht bewusst. Doch an einer attraktiven ‚Tippse‘, die mir auf einem Flohmarkt oder beim Brocanteur begegnet, kann ich ebenso wenig achtlos vorbeigehen, kann sie einfach nicht zurücklassen. Denn jede einzelne beherbergt nicht bloss etliche Geheimnisse, sondern besitzt auch einen individuellen Charme sowie ihren eigenen Charakter, eigentlich Charaktere:
QWERTZ, AZERTY & die Claviatur
Die eine Schreibclaviatur aus dem 19. Jahrhundert beherbergt dank Buchhaltung schon einen @ffenschwanz, sowie diverse Währungszeichen, eine andere dafür Paragraphen, ein kaufmännisches Et-Zeichen & einen TAB. Eine weitere schrei(b)t nur in GROSSBUCHSTABEN, hält dafür aber alle Satz- und Sonderzeichen prominent. Viele deutsche Schreibgeräte – nach DIN-2137 – kennen das scharfe SZ auf unserer QWERTZ, wohingegen die französischen Modelle mit der AZERTY-Tastenbelegung versehen sind. Die amerikanischen verwenden seit dem Vorläufer der Remington im Jahre 1868 die originale QWERTY-Tastatur, mit der sich allein in der oberen Tastenzeile das Wort „TYPEWRITER“ schreiben lässt. Eine ergonomische US-Alternative bietet das 1930 von August DVORAK entwickelte Keyboard, das sich allerdings kaum an Beliebtheit erfreute, ausser bei Liebhaber:innen seltener Tastenmöbel.
Meine unzufriedene „Raggamaschiin“
Unter all diesen Maschinen gibt es jedoch eine, die mir besonders ans Herz gewachsen ist, seit ich mich in meinen 20ern in sie verliebte. Der Trödler damals erwähnte bloss, er hätte sie in Paris erstanden, hm… Vielleicht von de Beauvoir? de Botton? de Balzac? Item. Meine liebste Maschine ist nicht die wertvollste, doch sie schreibt für mich seit Jahrzehnten, sie begleitete mich durch mein schriftstellerisches Werden und steht heute noch in der Ecke beim Laptop. Ich nenne sie liebevoll „Raggamaschiin“. Man kann sie per Reissverschluss mit einem stabilen Deckel mitsamt Henkel versehen, was sie zu einem Köfferchen macht; ideal für unterwegs und auf Reisen. Ein Oldschool-Laptop. Doch für mich steht eine andere Besonderheit im Fokus: Weil die Klammern den Platz mit den (Semi)Kolon teilt, zeigt sie mir stets eine Taste mit traurigem Smiley ;( und daneben ): – Wie sie mich stets unzufrieden anschaut, wenn meine Finger flink ihrem Namen alle Ehre machen, wenn ich sie gleich wieder zum Rattern bringe, indem ich in ihre Tasten haue wie ein Maestro auf dem Piano, forte: Zrrrr-Zrrrr-Zrrrrr, tapp… Ragga-ragga-Bing-ragediragg-kch-TSCHiNG-Rrratsch!-Ragga-ragga-ragga-tipp–tapp-tipp (pause) zzz-tapp-ragagagagagagagagga-tip-wusch-tip-ragedigag-raggaragaraga-ragggga-rag-ragga-Bing–tap-TSCHING-Rrratsch! – Und wer weiss; vielleicht bringe ich sie heute zum L:)cheln?!
Sorry Neighbours, it’s Typewriter-Day![]()



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