Grüßchen & Küßchen ¶

Der Gruß, zur Begrüßung oder zum Abschied, ist ein Ausdrucksmittel formalisierter oder ritualisierter Gesten oder Floskeln zum Einleiten bzw. Abschließen eines Kontaktes. Mit dem Gruß demonstriert der Grüßende seine Sicht der Beziehung zum Gegrüßten. Die Grußformen sind abhängig von Kultur, Zeit und Mode.

#Ich grüße Sie. Auf der Straße mit der Hand per Schlag*, mit der gehobenen Winkehand, in ländlichen oder höfischen Regionen auch mit dem Hutheben, in legereren und militärischen Kreisen mit dem An-den-Hut-tippen: Es geht um den Gruß, die Begrüßung. Darum, Worte oder Gebärden als Höflichkeitsgeste beim Zusammentreffen zu entbieten, jemandem durch ein Ritual seinen Respekt zu erweisen und ihn willkommen zu heißen.

Ich begrüße am liebsten – da ich mich stets in charmanter Begleitung befinde – mit Küßchen. Als Anekdote sei hier angefügt, daß ich gegebenenfalls eine Frau mit 27 Küßchen auf die abwechselnden Wangen begrüße, ganz gemach, natürlich. Das kommt an einer Gesellschaft besonders gut an. Es ist jedenfalls amüsanter als der „Wer-kann-die-Hand-des-anderen-fester-zerquetschen?“-Wettstreit oder der „Ich-schlag-dir-ans-Schulterblatt-bis-dir-die-Schulter-auskugelt“-Handschlag oder das „Ich-tätschel-dir-die-Wange-rot“-Begrüßen, etc. Daß andere auch merkwürdige Begrüßungszeremonien besitzen, zeigen die ablaufchoreografischen Handakrobatiken der hippen Hopper und freien Maurer, ihren #Handshakecodes. Am schönsten begrüßen sich Verliebte und auch sind es die Verliebten, die sich am schönsten verabschieden. Verliebte und Liebespaare, Liaisonisten und Monogamistinnen sind ein Beispiel des #Guten_Grüßens, denn sie küßen und umarmen sich, auch beim Abschiedsgruß. So verwenden sie auch die schönsten Grußwendungen in schriftlicher Form ihrer Liebesbriefe. Man kann einen Gruß verschicken, man kann ihn empfangen. Ein freundlicher Gruß unterscheidet sich immens von einem lieben oder gar zärtlichen Gruß. Ein Kuß zur Begrüßung – auf die Wange, den Mund, das Briefpapier oder die Hand – symbolisiert eine #Zusammengehörigkeit, die über ein normales Maß hinaus geht. Eine Umarmung hingegen demonstriert geistige #Verbundenheit.

Die Tatsache, daß man heute immer noch Notiz davon nimmt, ob jemand kommt und wann er geht, ist erfreulich: Man lächelt, gibt Küßchen und Pfötchen oder man winkt. Zugegeben, auch ein Winken kann das Herz erfreuen – oder Leben retten. Ein Winken bedeutet, daß man höflich genug ist, jemanden zu grüßen. Die #Symbolik_des_Unbewaffnetseins geht dabei verloren, so heißt es doch wohl eher: „Bleib mir vom Hals, ich grüße nur aus Höflichkeit und aus der Distanz!“. Aber es ist immer noch höflicher, als gar nicht zu winken und nicht zu grüßen. Man braucht sich ja auch nicht vor jedem zu verbeugen, zu knicksen oder zu Knie zu fallen…

verbeugung
„Zwei Männer, einander in höherer Stellung vermutend, begegnen sich.“

#Übrigens: Der „Hand-Schlag“* rührt daher, daß sich zwei Parteien bei Wetten oder Verträgen die Hände schüttelten, diese Verbrüderungsgeste dann von einem Zeugen durchschlagen und somit rechtskräftig wurde. Meist ist aber eine handfeste Begrüßung angebracht, ohne zu schlagen. Eine gewiße Augenhöhe kennzeichnet dieses „Hände-Schütteln“. Man sagt schließlich: „Sie schüttelten sich die Hände“ und nicht „Sie handschlugen sich“. Der #Gruß hieß früher #Grotjan, was „zum Reden bringen“ bedeutet oder noch genauer: „sprechen machen“. Ein Gruß ist demnach keine Höflichkeit, sondern ein Kommunikations- und mitunter auch ein Provokationsmittel…

#In diesem Sinne:

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