Am Stammtisch Scheerbarts ¶

Der deutsche Schriftsteller phantastischer Literatur und Zeichner Paul Scheerbart (8. 1. 1863 – 15. 10. 1915) beeinflusste mit seinen revolutionären Ideen, epochalen Visionen, phantastischen Werken und skurrilen Gedichten die Architektur, Literatur, Anthroposophie, Kunst, sowie das Theater…

Scheerbarts künstlerisches Bekenntnis lautete:

«Der Weltseele wollen wir näher sein,
das ist die Hauptsache!»

scheerbartPaul Scheerbart studierte Philosophie und Kunstgeschichte, und lebte nach 1887 als Poet in Berlin, wobei ihm weder Anerkennung in literarischen Kreisen, noch nennenswerte Verkaufszahlen seiner bisher veröffentlichten Werke zuteil wurde. Er galt als Verrückter und Visionär; nur ein kleiner Kreis scharte sich um ihn, darunter auch der junge Ernst Rowohlt. Erst als dieser 1909 die skurrile Gedichtsammlung Scheerbarts „Katerpoesie“ veröffentlichte, wurde eine breite Öffentlichkeit auf ihn aufmerksam. Rowohlt behauptete später immer gerne, Scheerbart sei sein allererstes verlegtes Buch gewesen und er liebte vorallem sein Gedicht aus dem Charakter-Cyklus namens „Sei sanft und höhnisch!“ und zitierte oft dessen Schlusssatz:

„Charakter ist nur Eigensinn;
es lebe die Zigeunerin!“

In der Berliner Boheme angekommen, gehörten zu seinem Freundes- und Trinkerkreis auch Erich Mühsam, Rudolf Steiner oder der Dichter Richard Dehmel, der jüdische Satiriker Walter Mehring, aber auch seine eigenen zwei Pseudonyme Kuno und Bruno Küfer, welche Scheerbart zu Lebzeiten auch gerne mal zu seinen Freunden zählte. Scheerbarts phantastische Visionen handelten oftmals vom Leben auf einem anderen Planeten; dies beeinflusste den Philosophen, Literaturkritiker und Übersetzer (von Balzac, Baudelaire und Proust) Walter Benjamin in seinem Passagenwerk. Von Scheerbarts Aufsätzen über Glasarchitektur wurden damalige Architekten wie Bruno Taut inspiriert, sowie Scheerbarts Ideen zum Theater auch Alfred Jarry beflügelten. In die Geschichte eingegangen ist Paul Scheerbart unter anderem auch als Erfinder des Perpetuum Mobiles – welches er zwar erfand, jedoch nicht gewillt war, jemandem zu verraten, wie es funktioniere – und als Avantgardist der lautmalerischen Poesie: Das erste in Deutsch verfasste Lautgedicht wurde von Scheerbart veröffentlicht und prägte somit auch gleich die aufkommende Dada-Ära…

scherb

„Manches Gedicht mit viel Genie
ist nur Verhöhnung der Poesie.“

¶In diesem Sinne:
Für Sie noch was Bibliophiles zum Schluss..

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