Gnädingers Gabe ¶

Gänzlich versunken, statt betrunken nun, starre ich den halbleeren schaffhausener blauburgunder an, der parenthetisch seit Gnädingers tod auf meinem küchentisch steht, scheinbar. unberührt seit ich die nachricht empfing. vor zehn tagen und noch mehr öffnete ich sie, die flasche, ließ zum letzten mal ihn atmen, den wein, und schenkte mir ein, beherzt. doch noch vor dem ersten nippen, noch bevor meine lippen bloss das glas berührten, berührte mich sein ableben, Gnädingers. während der bote mir ins haus brechend noch davon berichtete, erhob ichs glas bereits und trank, trank den burgunder, den blauen im glas, trank auf ihn, den Gnädinger, den gerechten im schlaf. minute um minute schweigend zwischen küchenfliesen steht sie seither da, die flasche; stellvertretend. auch für unser letztes prosit. als würde sie ihm stehend ovationen nachreichen, dem Gnädinger.

Dem Blauburgunder
mangelts bloß an einem Glas –
doch seither; halbleer.

#WortArt/senryū/nekrolog/

gnädi

Mathias ‚der‘ Gnädinger;* 25.3.1941-3.4.2015 †; Schauspieler, Theaterlegende.

¶In diesem Sinne:

ob ich ihm eine bühne aus kristallglas baue,
dem schaffhausener blauburgunder?

— Ins©enario! (@WORTlieb)

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