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Der Internationale Kinder- & Jugendbuchtag, kurz #WeltKinderbuchTag, jeweils am 2.April, gehört als jüngeres Geschwister des #WelttagDesBuches definitiv in die Reihe der bibliophilen Jubiläen; obschon wir ihn hier meist nur ideell feiern — da der Poetenblog für Erwachsene gedacht ist. Doch heute legen wir den Eltern, ihren Angehörigen & allen ewigen Kindern dieses Buch von einem Jungen, der stets an Wunder glaubt, von Herzen ans Herzen:

Die Geschichte und die Figur Peter Pan entwickelte und veränderte sich stets, seit sie 1902 zum ersten Male in literarischer Form auftauchte. Die von Sir James Matthew Barrie erschaffene Kultfigur Peter Pan wurde durch den Einfluss von Walt Disney in den 1940er Jahren endgültig geprägt – aber auch verzerrt: Es gibt kein „Nimmerland“, keinen Captain Hook und auch Wendy ist nicht die erste große Liebe Peters, sondern Maimie. – Zumindest in der Urfassung: Das Buch „Peter Pan in Kensington Gardens“ ist die ursprüngliche Erzählung von Sir J.M.Barrie, in der die Figur des Peter Pans zum ersten Mal gebührend auftaucht und von der großen Welt der kleinen Dinge erzählt, vom Zauber der Musik und vom Fliegen. Anekdoten von dort, wo der Ur-Peter-Pan zu Hause war und wo es ihn hin getrieben hat: Nicht ins Disneyland zu den Piraten, sondern in die königlichen Gärten von London, nach Kensington Gardens zu den Elfen, Gnomen und Feen.


»Shelley war ein junger Gentleman und gerade so erwachsen, wie er hoffte, je werden zu müssen. Er war ein Dichter, und die sind nie ganz erwachsen. Es sind Leute, die Geld verachten, außer, was man so täglich braucht und das hatte er, und eine Fünfpfundnote obendrein.«


Die Urfassung „Peter Pan in Kensington Gardens“ – vom Verlagshaus Mescheryakov 2012 im grösseren Lexikonformat 8° herausgebracht – ist bereits optisch wie haptisch ein sehr ansprechendes, opulentes, gebundenes Werk mit Zeichenband und reliefgeprägtem Hardcover: Ein dem ewigen Kind in uns gewidmetes Kleinod. Die von Arthur Rackham reich und phantastisch illustrierten Seiten erzählen die Geheimnisse des royalen Gartens und verleihen dem Schriftgut eine weitere Dimension des (Vor)Lese- wie Buchvergnügens.

Äußerst bildhaft und mit viel Liebe zum Detail wird nicht nur der Park geschildert, sondern auch, wie es die Vögel so handhaben mit dem Kinderkriegen, wie dumm die Enten sind oder wo sich die Elfen verstecken, wenn sie tagsüber die Nannys im Park begutäugeln und wie die Feen die Öffnungszeiten des Parks verkürzen, damit sie selbst ein wenig früher zum Tanze laden können… Eine mit Witz und Ironie gepaarte Leichtigkeit begleitet die Geschichte Peter Pans genauso wie eine schaurig-schöne Ausstrahlung. So schließt die Geschichte eben nicht mit einem glücklichen Ende, sondern mit dem makaberen Tod ab; Peter Pans Aufgabe ist es nämlich auch, die ‚verlorenen Kinder‘, die im Park sterben, zu beerdigen.

Die Geschichte des wahren Peter Pans und seinem echten „The Never Never Never Land“, Kensington Gardens, triumphiert gerade durch die kindlich-bestechende Ehrlichkeit. Mit seiner verspielten Sprache schildert Sir Barrie in naiven Erinnerungslücken und Denkwindungen die Legende um Peter mit seiner Ziege, seinem Flötenspiel und seinen beflügelten Freunden. Sir Barries Verständnis für die Natur der kindlichen Seele, sowie die Liaison mit Rackhams wunderbar filigranen Illustrationen hinterlassen einen verwunschenen Charme beim Betrachten und lässt den Lesenden in eine nächtlich-magische Stimmung einsinken, in der er hofft, nie erwachsen genug geworden zu sein, wieder fest an das Subtil-Sinnliche glaubt und sich wünscht, das Feinstoffliche des Alltags – zwischen düster und heiter – auch heute noch wahrzunehmen…

¶Auf ein Wort:

Der Schriftsteller und Dramatiker Sir James Matthew Barrie wurde am 9. Mai 1860 in Schottland, geboren und starb am 19. Juni 1937 in London. Er vermachte alle Rechte an den Büchern, Filmen und Theaterstücken über Peter Pan einem Londoner Kinderkrankenhaus.

„Peter Pan in Kensington Gardens“ ; von Sir James Matthew Barrie;
Illustrationen: Arthur Rackham; Übersetzung: Selma Urfer;
Verlagshaus Mescheryakov; ISBN: 978-3-902755-14-8

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