…und überhaupt warum? ¶

ein nachruf für einen, der einst heute ins bett ging, einschlief und am nächsten morgen friedlich nicht mehr aus seinen träumen erwachte; großstadtcowboy sagte man ihm nach, st.pauli-pirat, vagabund der schönsten sorte; viele namen trug er, doch er war nur eines: eine poetenseele.

von mir für ihn, in seinem kondolenzbuch stehend:

„kaufte mir ’ne flasche, die billigste, die’s gab
und ich schröpfte sie zu ehren, an deinem grab.“

der folk-noir-sänger, hamburger alternativ-countrymusiker mit mundharmonika, banjo, gitarre und melancholischer stimme übermittelt(e) das lebensgefühl aller wahren poeten: augenzwinkernd, tiefgründig und scharfsinnig. dezent, aber eindringlich. simpel, aber stimmungsverzaubert. voller hochpoetischer tiefenpoesie; vorder-, sowie hintergründig.  ein ausnahmetalent in und für deutschland. einer, der mehr für die deutsche sprache, musik, kunst und kultur getan hat, als hunderte seiner besten berufskollegen zusammen. einer, der die poetizität seiner texte unermesslich und unvergleichbar machte. einer, der das genre der neuen deutschsprachigen poesie auch neu definierte. „in ermangelung akzeptabler popmusiktraditionen erfinde ich meine eigene volksmusik“. einer, der als fahrender musikant seinem kiez treu blieb. einer, der keine konzerthallen mochte, sondern hinterzimmer. obschon sich caruso aufgehängt hätte. einer, der bilder malte, welche von der wand weg erschwingt werden konnten. einer, der für das wohnzimmer malte – nicht für die galerie. einer, der mit über 100 werkausstellungen in allen deutschsprachigen regionen der wohl erfolgreichste in der off-kunstszene war. einer, der zum repräsentant der cheapart-bewegung wurde. einer, der in weinrot, herbstorange und tiefgelb, braun oder grau gehaltene kunst schaffte. einer, der einfach nicht in einer einfachen schublade versorgt werden konnte. einer, der nicht zur hamburger schule gehörte. einer, der die poesie und die art brut lebte.
für einen, der bleiben wird:

Nils Koppruch

25. Oktober 1965 – 10. Oktober 2012

«und überhaupt warum?»

„es gibt da diesen kerl, der schleicht hier um die häuser rum

und ich frag mich, wenn ich ihn seh‘, was ihn antreibt und warum
er ist diese art verlierer, die mir sorgen macht,
er hat aus seinem leben einfach nichts gemacht
(und ich warte jeden tag, dass er nicht mehr kommt
oder bis ich endlich weiss, was ihn antreibt und überhaupt warum?!)
diese sorte kenn‘ ich und zwar in- und auswendig
was diesen typen fehlt, ist immer nur das glück
er hält sich für was bess’res, das kann ich von hier seh’n
vermutlich ist er dichter und will irgendwann zum film
(einer, der den refrain wiederholt)
ich hab gehört, er hätte irgendwo ’nen job,
der hält ihn über wasser, bis er ins rennen kommt
kann nicht sagen, was mich aufregt, wenn ich seh‘, wie er da geht
ob’s einfach nur sein trip ist oder wie er sein schicksal trägt
(einer, der den refrain wiederholt)“

In diesem Sinne:

P.S. Der frühe Fink-Song „und überhaupt warum?“ gehört seit jeher zu meinen Lieblingen Koppruchs.

8 thoughts on “…und überhaupt warum? ¶ Hinterlasse einen Kommentar

  1. Dank für die lieben Erinnerungsworte für einen, der neugierig war, wissend, dass unser Leben beschwerliche Schatten wirft, nur eine kurze Zeit dauert, wir danach verschwinden. Aber die gelebte Liebe und die Musik, sie bleiben.

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