Verzaubert wurden wir von der Zeit, die wir nie fassen mochten, nie zu umschließen vermochten, und plötzlich steht alles in Bewegung und zeitgleich in der Bewegung still; gepflasterte Knochenstraßen, wie ausgestorben im Tal der Toten, ein Meer von Santa Muertes Gefolge, Trauermücken und Maden wie Gift als Geschenk. Schaurig schöne Schädel wie Kürbisköpfe stechen wie Äpfel in die Augen und auf den Gräbern füßeln unsere Skelette mit den Krähen, die den Leichen nachjagen. Fleddernde Mäuse spielen trollend makabre Streiche und magische Worte tollen kirschenwild am Boden der Erde, kaum kullern sie über unsere Lippen wie Tränen über Wangen. Wir beweinen Verstorbenes, während emporschlagende Orakel uns orphische Fanale züngeln. Funken fliegen wie Immen, bringen Vergangenem einen Sarg, und verglühen selbst wie Würmchen im Wind in Nacht und Nebel. Wir fackeln rum. Glutrotes lodert wie Haare flammend jedem hinterher, sie erhaschen lauernd und dauernd. Unter ihnen verführende Hexen, die spanisch fliegen wie Pilze. Circen im Zirkel kreisen engelsgleich nackend, bis der Nacken steif vom Betrachten des Himmels, der düsteren Nacht fernab des hellen Flammens und höllen Flimmerns. Gespenstig, doch dämonenfrei stehen zwischen Steininschriften und Grabgesang die Tore geistreich offen wie die Mäuler der Frösche und Unken, die wir getrunken, im Halse steckend runtergeschluckt, an die Wand hingeworfen, abgeküsst und geleckt haben. Eine Laterne erlischt, es zischt, der Mond mischt neu, wirkt doppelt schwarz und zweimal dunkel so tief, ungesehen. Offen staunen wir ihn als Nichts an, unsere Münder sind trunken von aller Seelen Sein, aller Heil’gen Schein und des Todes Sense, nicht Ende; wie Staub zu Asche und Phoenix draus.

¶In diesem wahnSinne: 

Auch wenn er/es heute nicht so scheint: Morgen wird der Mond wieder zu sehen sein, da bin ich mir sicher.

4 thoughts on “Fanal ¶ Hinterlasse einen Kommentar

  1. “ Sense, nicht Ende; wie Staub zu Asche “
    Welch poetische Reise / sehr sehr Bilderreich & fein.
    Einem Theaterspiel gleich mit lebendigen Bildern.
    Einem Traumbild ähnlich / eine Reise zwischen Geist und Buchstaben.
    Staunend über Phönix und Staub.

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