Fabian, ein befreites Buch ¶

10.Mai — Gegen das Vergessen begehen wir gedenkend den TAG DES FREIEN BUCHES als Mahntag.

 

Heute vor 86 Jahren fand die schändliche Bücherverbrennung durch die Nazis statt. Einer der verfemten Autoren hierbei war Erich Kästner; er erinnerte sich:

»Im Jahre 1933 wurden meine Bücher in Berlin auf dem großen Platz neben der Staatsoper von einem gewissen Herrn Goebbels mit düster-feierlichem Pomp verbrannt. Vierundzwanzig deutsche Schriftsteller, die symbolisch für immer ausgetilgt werden sollten, rief er triumphierend bei Namen. Ich war der einzige der vierundzwanzig, der persönlich erschienen war, um dieser theatralischen Frechheit beizuwohnen. Ich stand vor der Universität, eingekeilt zwischen Studenten in SA-Uniform, den Blüten der Nation, sah unsere Bücher in die zuckenden Flammen fliegen und hörte die schmalzigen Tiraden des kleinen abgefeimten Lügners. Begräbniswetter hing über der Stadt. Der Kopf einer zerschlagenen Büste Magnus Hirschfelds stak auf einer langen Stange, die, hoch über der stummen Menschenmenge, hin und her schwankte. Es war widerlich …«

Von Kästner wurden sämtliche Werke – außer ‚Emil‘ verbrannt, insbesondere jedoch die Ausgaben von Fabian. Dieser Roman erscheint seit dem 2.Weltkrieg mit folgender, von Erich Kästner geschriebenen Ergänzung:

»Dieses Buch ist nichts für Konfirmanden, ganz gleich, wie alt sie sind. Der Autor weist wiederholt auf die anatomische Verschiedenheit der Geschlechter hin. Er lässt in verschiedenen Kapiteln völlig unbekleidete Damen und andere Frauen herumlaufen. Er deutet wiederholt jenen Vorgang an, den man, temperamentloserweise, Beischlaf nennt. Er trägt nicht einmal Bedenken, abnorme Spielarten des Geschlechtslebens zu erwähnen. Er unterlässt nichts, was die Sittenrichter zu der Bemerkung veranlassen könnte: Dieser Mensch ist ein Schweinigel.«

Da „Fabian – Die Geschichte eines Moralisten“ jedoch vor seinem Erscheinen 1931 bereits verändert, entschärft und gekürzt wurde, liegt der Roman mittlerweile – zum ersten Mal – so vor, wie ihn Kästner geschrieben hat.

Der Kästner-Experte Sven Hanuschek brachte beim Atrium Verlag das originale Meisterwerk unter dem von Kästner ursprünglich vorgesehenen Titel: „Der Gang vor die Hunde“ heraus.

¶IN DIESEM SINNE:

Danke für dies befreite Buch:
ISBN 978-3-85535-391-0

#Leserbriefchen schreiben

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s