Limerick ist die wohl älteste Stadt in Irland; als Hauptstadt des gleichnamigen Countys zählt sie etwa 62.000 Einwohner*. Sie ist bekannt für ihre Geschichte, Architektur und ihre lebendige Kulturszene mit einer starken Verbindung zur Literatur und Musik – von der Band „The Cranberries“ über den Pulitzer-Preisträger Frank McCourt bis hin zum eigentlichen Star; den viel besungenen, meist bedichteten und oft zitierten Fluss Shannon. Nicht zuletzt sei selbst auch die Gedichtform Limerick erwähnt; er besitzt in Irland den Status einer festen Tradition und erfreut sich grosser Beliebtheit, jedoch aus unterschiedlichen Gründen…
Der Mensch soll am Sonntag verschnaufen
Ulrich Gläsker
Nicht schaffen, nicht handeln, nichts kaufen
Nicht hämmern, nichts streichen
Auch sonst nichts dergleichen
Was bleibt? Sich am Sonntag besaufen!
Limerick des Jahres
Genau da streiten und scheiden sich die Geister: Für die einen sind Limericks eben bloß die doofe Stiefschwester der Lyrik, nur kleine Gedichtchen mit witzigen Pointchen – leicht zu reimen, nicht schwer zu merken; ein Partykracher oft besser als jeder Heinz Erhardt. Unzählige Limericks von flacher Qualität verwitzelten ihn sogar bis zur Überdrüssigkeit, weil eben gerade der simple Fünfzeiler mit einem AAbbA-Reim so manchen Stammtischpoetrolet dazu verleiten mag, selbst einen zotigen Reim zu hämmern.
Kult! – Aber: Kunst oder Witz?
Die anderen hingegen vergleichen den Limerick mit dem Stellenwert eines japanischen #Haiku oder dem amerikanischen #SixWords, viele sehen darin eine humoristische Variante des niveauvollen #Aphorismus‘ und verehren ihn als Kult. Die Traditionalisten beteuern stets die hoh’stehende Kunst, die darin liege, da ein Limerick nach klaren Regeln der metrischen Schemen, spezifischen Versmaßen, alten Schulmeistereien, mit anspruchsvollem Intellekt und würziger Pointe, in englisch of course zu feiner Wortkunst zu schmieden sei. Like this:
There was an Old Man with a beard,
Edward Lear
Who said, ‚It is just as I feared!
Two Owls and a Hen,
Four Larks and a Wren,
Have all built their nests in my beard!‘
Der Vater des Limericks
Während der Ur-Limerick wohl von dem irischen Soldatenlied „Will you come up to Limerick“ aus dem 18. Jahrhundert entstammt, machte ihn der englische Schriftsteller und Maler Edward Lear (12.5.1812-29.1.1888) erst populär. Zusammen mit Lewis Carroll gilt er als einer der großen Meister der viktorianischen Nonsense-Literatur. Lear wurde wegen seiner Wortspiele hoch geschätzt und sogar im Beatles-Song „Paperback Writer“ namentlich genannt. Seine zahlreichen Limericks und Gedichte wie The Owl and the Pussycat sind Klassiker des Genres, wobei sein Hauptwerk in seinem ⇥„Book of Nonsense„ gipfelte; eine Sammlung humorvoller und skurriler Limericks, die erstmals 1846 veröffentlicht wurden.
Sein Geist ist konkret und anspruchsvoll,
Edward Lears Selbstbild
seine Nase ist bemerkenswert groß;
sein Gesicht ist mehr oder weniger scheußlich,
sein Bart ähnelt einer Perücke.
(kein Limerick)

Epilog:
Wie immer sehe ich das Ganze nicht so (str)eng; ich bewundere alle Verfasser:innen vonguten Limericks, weiss aber auch, dass es nicht viele davon gibt. Für mich bleibt es eine Spielerei und genau so schreibe ich sie auch; ins Telefonkritzelbuch, zeitvertreibend...
Ein nasser Tag in Limerick
hat alle blassen Farben dick;
er packt seine Sachen,
sich vom Hof zu machen
und sonnt sich heut auf Martinique.
#WortArt/limerich
Es war einmal ein Mann aus Bern,
der hatte Bären wirklich gern:
Er gab ihnen Karotten,
sie zerfetzten Klamotten…
Seither bleibt er den Möhren fern.
#WortArt/bärn
Ein flüchtig Wesen im Nirgendwo
ist allda und schwebt hier irgendwo
mal windets da, dann hängts dort
schon huschts luftig wieder fort;
~ es verduftet, nachdem es entfloh.
#WortArt/furz



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