Ein Buch zu öffnen gleicht dem sanften Aufstoßen einer verborgenen Tür – es ist eine Einladung, in eine Welt einzutreten, die sich mit jeder gelesenen Seite weiter entfaltet. Das Aufschlagen eines Buches ist eine Geste des Aufbruchs, des Entdeckens und des Eintauchens; wer ein Buch aufschlägt, der entfesselt die Kraft der Sprache und gibt sich dem Zauber des Wortes hin, dem Duft der Buchstaben, den formenden Gedanken, welche die Fantasie begeistern und letztlich bei jedem Umblättern den Fortschritt symbolisieren, die Zukunft neu zu gestalten. So trägt jedes Buch grundsätzlich den Charakter eines Tores in sich: Manche führen uns hinaus ins Unbekannte, andere hinein zu inneren Auseinandersetzungen, Satz für Schritt. Ein Wagnis.
Bücher sind Brücken aus Papier zwischen Wille & Vorstellung; was für eine gewaltige Kraft! – Deshalb brauchen sie auch gleich zwei Deckel.
@ Wortlieb
Du öffnest ein Buch, das Buch öffnet Dich, so sagt man. Es öffnet sich uns gegenüber, wenn es nicht mit sieben Siegeln versehen ist, es zeigt uns nicht nur neue Seiten, sondern parallele Perspektiven eines anderen Wesens. Es ermöglicht die Zwiesprache mit Visionären, die längst vergangen sind, und mit jenen Antihelden, die noch kommen werden oder die es niemals gab. Wer diese Türen öffnet, der reist – nicht nur durch Geschichten, sondern durch die Geschichte, als auch durch die Tiefen des eigenen Intellekts. Es ist eine Reise durch das Labyrinth der Sprache, ein Spiel mit Nuancen eigener Phantasie und ein gemütlich Fest für die beisammenen Sinne des gemächlichen Denkens. So leistet das Buch ebenso Ungehorsam gegen das Vergessen, den Hass, die Oberflächlichkeit, gegen die Gleichförmigkeit. Der Akt des Lesens ist zu einem Widerstand gegen die Schnelllebigkeit digitaler Tage geworden, bei dem man sich, der Protagonistin und dem Erzähler einen abgesteckten, intimen Raum gibt und sich Me-time schenkt, zum gemeinsamen Gedankenaustausch als Auszeit-Flirt trifft, offline. Es widersetzt sich der Geschwindigkeit, es hält uns an, es verlangt nach Tiefe und Besonnenheit, in entschleunigter Achtsamkeit und Beschaulichkeit zu leben, zu lesen. Es ist ein analoger Schlüssel zu einer Tür, die zu neuen Ufern der alten Gewässern führt, ein guckgelochtes Fenster, um in ferne Augen zu blicken, hin zu lesbaren Kulturen zu blättern und unleserliche Wandschriften zu entbuchstabetisieren. Wie #Urlaub auf 350 Seiten…
Wer Bücher liest, denkt selbst.
@ Wortlieb
Und wer selbst denkt, ist frei.
So frei, um zu flüchten:
Escape Liber!
Ein Buch bindet die Träume des Schreibenden und entblättert sie im Lesenden; als Empathie, Leidenschaft oder Wunschdenken, als explosiver Lesestoff, der im Geist widerhallt und zum Nachdenken anregt. Es zwingt zur Reflexion, fordert heraus, beruhigt, erschüttert, befriedet und beflügelt; fast wie die Theorie der Liebe. Es lebt durch seine Leser:innen und umgekehrt. Die Gemeinsamkeit liegt in der Hingabe, die es verlangt, denn es erfordert nebst dem Wissen um die Alphabetisierung auch noch Zeit, Vorstellungskraft und Konzentration. Der Akt des Lesens ist bescheidener Luxus; rar gewordene Ressourcen im seltenen Erden Zeitalter. Das Gold der Bücher sind gewaltige Archive einerseits und archaische Revolutionen zugleich; sowohl ein leises Grasflüstern über Jahrhunderte hinweg, als auch ein barbarisch YAWP in die Zukunft hinaus. Und alle Phantasien dazwischen sind mehr als bloss völlig belettertes Papier; es sind Gefäße, die zu füllen die Lesenden auserkoren sind.
Und wo verbringen Sie in Gedanken?



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