Frühlingsputz der Büchernarren

Das Prozedere ist bekannt: In guter Absicht werden Bücher für das Zukunfts-Ich gekauft, das hoffentlich mehr Zeit & Disziplin hat als das gegenwärtige Ich. So stapelt sich oftmals manches Buch um Buch unberührt, doch nicht ungeliebt, sondern beinahe schon als Wohnaccessoire etabliert, das in seiner stillen Präsenz eine subtile Schönheit ausstrahlt. Der „SuB“ erinnert uns Büchernarrischen an unsere Neugier, verursacht Vorfreude, steht ebengleich als Antibibliothek für unsere rebellische Ader, die aus den Regalen ausgebrochen ständig nach neuem Input lechzt. Er macht ein Zuhause gemütlich, fügt ihm Charakter hinzu & wirkt wie eine intellektuelle Umarmung: Wir sind davon so lange entzückt, bis er uns erdrückt…

In Bücher-Foren steht #SuB für den „Stapel ungelesener Bücher“ und wird von der Book-Community in sozialen Medien wie #BookTok oder #Booklr als Begriff häufig verwendet, oft zusammen mit seinem englischen Äquivalent #TBR „To Be Read“ for Booknerds like us. Der #SuB klingt fast schon nach einem schlechten Gewissen, weil der Bücherwurm doch noch all die Schmöker „abarbeiten muss“. Auf dem #TBR-Tower liegen Lektüren, die der Pageturner noch „durchlesen will“, wenn er denn tatsächlich je irgendwann einmal dazu kommen sollte.

Vielmehr schwingt beim ähnlichen #Tsundoku auch die Liebe zum Buch als ästhetisches (Wohn-) Objekt mit: Diese Leseratte möchte nämlich sämtliche gehorteten Bände mit Lust und Muße lesen – sie kommt nur noch nicht dazu. Das japanisches Wort (積ん読) setzt sich zusammen aus „tsumu (stapeln), „oku“ (lassen) aber auch „do“ (der Weg), sowie „doku“ (lesen): Schriften stapeln, die „gelesen werden“. #Tsundoku unterscheidet sich daher wiederum von der zwanghaften Bücher-Sucht, der #Bibliomanie. Dieser Bücherhamster beabsichtigt erst gar nicht, sich all den Lesestoff zu Gemüte zu führen, er will ihn nur besitzen und findet in seiner Bücherhöhle oft drei Exemplare desselben Werks ohne ersichtlichen Grund. Verwandt ist er mit dem diebischen #Bibliokleptiker.

— Wortlieb Martin, Buch(hoch)stapler

Wer sich nun in welchem Typus wiedererkennt, sei hier mal dahingestellt, doch wir alle wissen es insgeheim eigentlich schon längst: Wir müssen handeln; ehe sich die #SuBs zu einem #RuB („Regal ungelesener Biester“) auszuweiten und noch bevor wir den neusten #WrapUp (Lesemonat) beginnen. Wenn der #Tsundoku wie ein Tsunami — gar noch vor dem nächsten #BookHaul, also der Präsentation von frischer Beute, — über uns zusammenzubrechen droht, hilft der heutige „Putz Dein Bücherregal“-Tag allen vielseitigen Büchernarren jeglichen Genres.

Der „Clean Out Your Bookcase Day“ wurde in den USA bekannt und findet seither weltweit jährlich am 20. Februar statt. Wir nehmen diesen Aktionstag als offiziellen Anlass, um die schlampige Bücherwand mit all ihren Ablegern, den herumstehenden Gebinde-Häufchen, in eine gepflegte Bibliothek zu verwandeln: Ideal für eine Bestandesaufnahme, um den #SuB zu sichten, den #Tsundoku zu reduzieren, jene Titel, die schon nach alten Schinken stinken, loszulassen, den #Tome (Wälzer) dem Brockenhaus zu überlassen, dem Antiquariat zu verscherbeln oder einem Bücherkasten zu spenden; Literatur zu teilen! E-inerseits dient der Tag dafür, #TBR-Lists auch digital auszustauben, andererseits zum Entstauben der ächzenden Borde und um die literarischen Werke zu pflegen; abzupinseln, durchzulüften, auszuklopfen. — Und um direkt nach dem Frühlingsputz der Buch-Gemeinschaft ein echtes Bestseller-#Shelfie zu posten…

Avatar von Poeten[B]log

Hand auf Herz: Wie hoch stapelst Du? — Sei ehrlich; hast Du diesbezüglich auch schon einmal laut „JENGA!“ gerufen?


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