Nichts ist in meinem Besitz, denn nichts was ich je besaß, habe ich. Nichts ist meine Habe, habe weder, was sich meines nennt, noch, was ich meines nennen könnt, nicht einmal einen lumpigen Hintergedanken und ohne Absicht schon gar nicht Gier und Neid, keinen Namen, keine Vergangenheit; ein unbeschriebenes Blatt, eine unendlich unentdeckte Geschichte bin ich nun, ohne Etwas, mit Nichts und keinem Alles, frei von Urteil oder Vorurteil sogar, los von Schand und Scham; ein ungezwungenes, ungesungenes Lied, eine ungespielte Melodie, eine Neukomposition, ein entblößtes Neugeborenes im blanken Wahnsinn der nackten Realität. Nichts weiter begleitet mich weiter und nichts kann ich also bieten, nunmehr nichts, was ich mehr hergeben könnt, keinen Deut oder Heller, habe nichts auf der hohen Kante, kein Geschenk für Dich: Doch demütig, mit leeren Händen ohne Asse im Ärmel und keinem Trumpf im Strumpf stehe ich nun ohne Weiteres ohne Spielchen hier vor Dir, im letzten Hemd ohne Taschen mit Etwas drin, in den Hosen mit herausgekrempelten Säcken, mit dem Krempenhut für die letzte Kollekte und in den Schuhen für den richtigen Abgang, trete ich startgeklärt an die Linie, stehe bereit, gehe voll auf Null, liege am Ausgang und setze Alles auf Anfang.


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